Es pocht eine Sehnsucht an die Welt … Ein begeisternder UniJazzGottesdienst

Einige Gäste hatten am 5. Mai 2019 gar nicht vor, einen Abend-Gottesdienst in Bamberg zu besuchen. Aber wenn in der Sandstraße Jazz aus einer Tür ertönt, dann geht man einfach mal hinein. Am Ende waren über 70 Gäste in der kleinen St. Elisabethkirche. Sie hörten expressionistische Gedichte von Else Lasker-Schüler, Musik von Miles Davis und anderen sowie Gedanken und Gebete. Die Gedichte wurden von Prof. Dr. Iris Hermann gelesen und die Musik von Konrad Buschhüter (e-Piano und Melodika) und Nikolaus Durst (Kontrabass) dargeboten. Es entstand ein Gewebe von Tönen und Worten in der alten Kirche, die so etwas – wie vielleicht auch die Gäste – bisher noch nicht gehört hatte.

Pfarrer Thomas Braun von der evangelischen Studierendengemeinde hatte die Idee zu diesem Gottesdienst und den Wunsch, Lyrik und Jazz zusammen zu bringen. „Lasker-Schülers Gedichte wurden auch schon vor über 100 Jahren im Wechsel mit Klaviermusik vorgetragen – das passt ganz wunderbar! Und Musik und Lyrik trifft in das Innerste unserer Seele, also liegt es nahe beides in einem Gottesdienst zu verbinden.“ Die Gedichte der Jüdin Lasker-Schüler gaben den Ton an für diese Verbindung. Die Dichterin entkam der Vernichtung durch die Nazis und ihre Lyrik, die von dem Schicksal ihrer Schöpferin gezeichnet ist, entkam dem Verharren in der Klage. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft Iris Hermann formulierte es so: „Es sind Gedichte, die einfach nicht aufhören wollen daran zu glauben, dass Liebe auch Erfüllung finden kann. Die sich nicht irre machen lassen davon, dass der Hass die Welt regiert und ihresgleichen nach dem Tod trachtet.“  Von diesem Wunsch in Ton und Wort verzaubert entließ der Gottesdienst die Gäste in den Bamberger Mai-Abend.