Mit einem Faible für schräge Fragen und viel Engagement

Religionspädagogin Renate Tallon
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Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen begeisterte Renate Tallon bereits, als sie selbst noch Schülerin war. So gestaltete sie ehrenamtlich Kindergottesdienste und leitete eine Mädchenjungschar. Konsequenterweise studierte sie dann Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit in Neuendettelsau, war dann ab 1982 als Religionspädagogin im Evang.-Luth Dekanatsbezirk Bamberg im Einsatz, wo sie ab 1996 zunächst als Schulbeauftragte, ab 2015 als Leiterin des Schulreferats tätig war. Am Freitag, 9. Juli 2021 verabschiedet Dekan Hans-Martin Lechner Renate Tallon in einem Gottesdienst in der Bamberger Stephanskirche in den Ruhestand.

„Schräge Fragen“ ernst nehmen

So ganz leicht war und ist die Arbeit als evangelische Religionspädagogin nicht: „Ich musste mich in Bamberg erst einmal als Evangelische in die katholische Umgebung einleben und lernen, damit umzugehen“, schmunzelt die erfahrene Diplom-Religionspädagogin. Mit den Jahren sei die inhaltliche Arbeit aber entspannter geworden. Renate Tallon erinnert sich an eine Vertretungsstunde im Gymnasium in einer katholischen Gruppe. Es kam die Frage auf, wieso es eigentlich katholisch und evangelisch gäbe. „Spontan konnte ich dann auch ohne Vorbereitung von Luther, seinem Ärger, seinem Tun und dessen Folgen erzählen.“

Überhaupt sei sie immer begeistert gewesen von „schrägen“ Fragen der Schülerinnen und Schüler. Diese dann damit zu verblüffen, dass die meist provokant gemeinten Bemerkungen von ihr ernst genommen und auch provozierende Fragen beantwortet werden: „Das hat mir Spaß gemacht und oft bei den Jugendlichen und auch bei mir zu überraschenden Erkenntnissen geführt“. Renate Tallon hat sich dabei immer dafür eingesetzt, dass das oft als „unwichtige Nebenfach“ eingestufte Schulfach Religionslehre ins rechte Licht gerückt bzw. ernst genommen wurde.

Aufgabenvielfalt im Schulreferat

Mit der Übernahme der Referatsleitung 2015 bzw. bereits der Berufung zur Schulbeauftragten 1996 weitete sich Renate Tallons Aufgabengebiet. Die Zusammenarbeit mit den Schulreferenten im Kirchenkreis, den zuständigen Abteilungen der evangelischen Landeskirche, aber auch den Sachaufwandsträgern in Stadt und Landkreis, mit den Schulleitungen und den entsprechenden Lehrstühlen an der Bamberger Universität war nur ein Teil ihrer Arbeit. Renate Tallon war zudem zuständig für Beurteilungsbesuche der Religionspädagogen im Dekanatsbezirk. Mit Wertschätzung versuchte sie den zu Beurteilenden die Angst vor diesen Bewertungen zu nehmen und stellt fest: „Auch für mich gab es in diesen Schulstunden viel zu lernen. Es hat mich immer wieder beeindruckt, was sich die Kolleginnen und Kollegen an Unterrichtskonzepten, liebevoll gestalteten Materialien und fantasievollen Aufgaben für die Schüler überlegt haben.“

Dabei besuchte sie auch als Vertreterin der „kirchlichen Oberbehörde“ staatliche Lehrkräfte in ihrem Religionsunterricht und durfte dort kleine Sternstunden erleben: „In einer 9. Klasse der Realschule hielt eine Kollegin eine Stunde zum Thema „Wer bin ich?“. Sie arbeitete mit gruppendynamischen Methoden aus der Jugendarbeit und schaffte es, dass die Schüler sich engagiert am Unterricht beteiligten. Sie sangen sogar am Ende der Stunde gemeinsam ein anspruchsvolles Lied zur Gitarrenbegleitung – Jungs in der Pubertät!“ Der Realschulrektor, der ebenfalls in der Stunde dabei gewesen sei, wäre einigermaßen entsetzt gewesen, wie man denn so eine Schulstunde halten könne – ohne Tafelbild und klassische Struktur. „Mich hier für die Kollegin einzusetzen und gemeinsam den Blick des Rektors zu weiten, war mir ein Anliegen – und ist uns auch gelungen.“

Ein Schwatz mit den Schülern

Ab 1995 begleitete die langjährige Referatsleiterin darüber hinaus Vikare als Mentorin, ließ sich zur Prädikantin ausbilden und schloss die Weiterbildung zur Bibliodrama- und Psychodramaleiterin erfolgreich ab. Was ihr von den vielen Berufsjahren in Erinnerung bleibt? „Anstrengende Schüler, die später quer über die Straße grüßen oder für einen Schwatz mit der ehemaligen Lehrerin vom Rad steigen und stehenbleiben - und viele, viele tolle Begegnungen.“

Renate Tallons Nachfolgerin in der Leitung des Schulreferats wird zum September Pfarrerin Kerstin Kowalski. Tallon selbst ist offiziell noch bis 31. August im Dienst und ihre Arbeit macht ihr bis heute sehr viel Freude: für sie „ein Privileg, ein Geschenk“.

Wir wünschen Renate Tallon für den neuen Lebensabschnitt Gottes Segen und alles Gute!