Rund 130 Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher arbeiten im Stephanshof am Immobilienprozess des Dekanats Bamberg
Die Frühjahrssynode des Dekanats Bamberg war in diesem Jahr ein wenig anders als gewohnt. Am 18. April 2026 kamen nicht nur die Mitglieder der Dekanatssynode im Stephanshof zusammen: Es waren auch Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher aus dem gesamten Dekanat mit eingeladen. Gemeinsam arbeiteten sie im Rahmen eines Workshoptages weiter an einem Thema, das die Gemeinden seit Monaten beschäftigt: dem Immobilienprozess. Begleitet wurde der Tag von Jochen Nitz und Rainer Fuchs aus der Nürnberger Wirkstatt evangelisch, die durch das Programm führten. Dekanin Sabine Hirschmann informierte über den Stand der Transformationsprozesse in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und im Dekanat Bamberg.
Kirche verändert sich für die Zukunft
In ihrer Begrüßung ordnete Dekanin Sabine Hirschmann die aktuellen Veränderungen in einen größeren Zusammenhang ein. Transformation, so sagte sie, bedeute die bewusste Entscheidung, Kirche zukunftsfähig zu machen: „Wir tun das, um weiterhin erlebbar und sichtbar Kirche in Bayern sein zu können.“ Gerade in einem Flächenstaat wie Bayern wolle Kirche in der ganzen Fläche präsent sein: „Wir wollen in den Dörfern Kirche sein und wir wollen in der Stadt Kirche sein, in der Diaspora und im fränkischen Kernland und darum braucht es diese Transformation.“ Dabei gehe es nicht darum, Gemeinden aufzugeben, sondern die vorhandenen Ressourcen so einzusetzen, dass Kirche auch in Zukunft verlässlich da sein kann. „Wir denken von der Zukunft her und verändern von daher die Strukturen unserer Kirche. Und das tun wir getragen von Zuversicht und von Liebe.“ Es sei zugleich eine Verpflichtung, Kirche zukunftsfähig aufzustellen: „Denn auch wenn die Kirche kleiner und ärmer wird, so hat sie weiterhin eine Botschaft, die in der Gesellschaft dringend gebraucht wird!“
Kirche im Umbau
In ihrem Bericht nahm die Dekanin auch die größeren Veränderungen in den Blick. Die neu konstituierte bayerische Landessynode hat ihre Arbeit aufgenommen. Sowohl sie selbst als auch Synodale Pia Loch wurden in den wichtigen Organisationsausschuss gewählt.
Zu den „Veränderungen am Haus der Kirche“ gehören Einsparungen im Landeskirchenamt, die Einführung des neuen Kirchenkreises Franken im Jahr 2027, eine Reform der kirchlichen Verwaltungsstellen und Fusionen von Dekanatsbezirken, die bis 2030 auch das Dekanat Bamberg betreffen werden. Dann wird es mit dem Dekanatsbezirk Fränkische Schweiz zusammengehen.
Gleichzeitig entstehen vor Ort neue Formen der Zusammenarbeit, etwa in künftigen Regionalgemeinden mit gemeinsamer Geschäftsführung, Personal und Immobilien. (Wir berichteten.)
Dabei betonte die Dekanin, dass diese Veränderungen Zeit brauchen: „Wir machen eins nach dem anderen!“ Im Moment liege der Schwerpunkt auf dem Immobilienprozess. Hier erinnerte sie die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher an eine gemeinsame Zuversicht: „Bei diesem Haus Kirche ist der Grundstein schon gelegt durch Christus seit Jahrtausenden. Die Kirche hat sich seither so sehr verändert und wir können uns dessen gewiss sein, dass wir nicht allein an dieser Kirche bauen.“
Vom Konzept zur nächsten Etappe
Im letzten Teil ihres Berichts fasste Dekanin Hirschmann den Weg des Immobilienprozesses zusammen, den die Gemeinden in den vergangenen Monaten gegangen sind: Nach einer ersten Informationsveranstaltung hatten sich regionale Teams gebildet, um sich dann intensiv mit den Gebäuden vor Ort auseinanderzusetzen. Ihre Ergebnisse wurden zusammengeführt und vom Dekanatsausschuss weiterentwickelt. Daraus entstand ein vorläufiges Gesamtkonzept, das inzwischen auch mit Fachleuten aus dem Landeskirchenamt beraten wurde und auf keine grundsätzlichen Einwände gestoßen ist.
Nun stehen die nächsten Schritte an. Zunächst müssen die formalen Beschlüsse gefasst werden. Danach soll das Konzept in den Gemeinden vorgestellt werden.
Besonders deutlich wurde in diesem Prozess, wie verantwortungsvoll die regionalen Teams gearbeitet haben. Sie haben Kriterien bedacht, Identität beschrieben und zugleich die Bereitschaft gezeigt, sich von Gebäuden zu verabschieden, die nicht mehr zu halten sind. Denn nicht jedes Gebäude wird bleiben können. Manche sind nicht mehr zu erhalten. Andere lassen sich mit überschaubarem Aufwand klimaneutral umbauen oder gemeinsam mit anderen nutzen. Mancherorts entstehen kreative Lösungen, etwa wenn eine Gemeindebücherei in ein Seniorenzentrum umzieht.
Für die verbleibenden Gebäude rücken nun konkrete Fragen in den Mittelpunkt. Es geht um Finanzierung, Klimaschutz und Zusammenarbeit. Auch bei den Pfarrhäusern stehen Veränderungen an: Die Pflicht der Pfarrperson vor Ort in der Gemeinde zu wohnen, wird fallen und damit auch die Pflicht zur Dienstwohnung.
Wichtig bleibt bei all diesen Veränderungen. Wie gestaltet man den Abschied von vertrauten Orten? Wie erzählt man davon? Und welches Bild von Kirche entsteht, wenn Gebäude weniger werden? Gefühle müssen dabei ihren Platz haben, so Dekanin Hirschmann: „Es gehört dazu, dass auch Tränen fließen dürfen.“ Gleichzeitig habe eine Kirchenvorsteherin auch davon erzählt, wie befreiend es sei, Baulast abzugeben und sich nur noch zu wenigen Gebäuden Gedanken machen zu müssen.
Arbeiten an Lösungen und an Haltungen
Am weiteren Vormittag und am Nachmittag fanden zehn verschiedene Workshops statt. Sie machten deutlich, dass der Immobilienprozess nicht nur eine organisatorische Aufgabe ist, sondern auch eine Frage von Haltung und Perspektive.
Einige Workshops beschäftigten sich mit praktischen Themen. Wie können Gemeinden neue Finanzierungsquellen erschließen? Welche Schritte folgen nach der Einordnung der Gebäude? Welche Möglichkeiten gibt es, wenn Geld und Räume weniger werden? Andere Workshops nahmen die emotionalen und geistlichen Seiten des Prozesses in den Blick. Es gab die Gelegenheit, biblisch-theologisch zu arbeiten. Und immer wieder tauchte die Frage auf, was uns Halt in der Veränderung gibt. Es ging um Abschied und Neubeginn, um Erfahrungen aus anderen Gemeinden und um die Frage, was Kirche eigentlich ausmacht, wenn Gebäude wegfallen. Ein Blick in die Niederlande zeigte, dass schmerzhafte Veränderungen auch neue Formen von Kirche hervorbringen können.
So wurde das Bild vom Haus der Kirche an diesem Tag konkret erfahrbar: Selbst Hochchor und Sakristei der Stephanskirche sowie die Räume der Kinderkirche und der Evangelischen Jugend wurden zu Orten des Austauschs und der Arbeit. Überall wurde diskutiert, gefragt, nach Lösungen gesucht und Zuversicht geteilt.
Ein neuer Mensch im Haus
Am Rande der Synode wurde auch eine personelle Veränderung sichtbar. Die neue Hausmeisterin des Stephanshofs und künftige Mesnerin von St. Stephan, Tatjana Kiesling, wurde herzlich begrüßt. Sie hatte ihren Dienst gerade erst begonnen. So wurde der große Kirchenvorstehertag für sie gleich zu einer ersten Bewährungsprobe. Ihr Vorgänger Reinhold Jacobi wird in wenigen Tagen in den Ruhestand verabschiedet. Mit dem Wechsel beginnt ein neuer Abschnitt im Alltag des Hauses und für die Menschen, die dort ein und aus gehen.
Der Prozess geht weiter
Die Frühjahrssynode hat vor allem eines deutlich gemacht: Der Immobilienprozess ist nicht abgeschlossen. Er geht weiter und tritt nun in eine Phase ein, in der Entscheidungen vorbereitet und umgesetzt werden müssen. Gleichzeitig ist sichtbar geworden, dass viele Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und diesen Weg gemeinsam zu gestalten.
