Ein herzliches "Grüß Gott" im Dekanat Bamberg

Jahreslosung 2021
Bildrechte: Acryl von U. Wilke-Müller © GemeindebriefDruckerei.de

Liebe Leserinnen und Leser,

das zurückliegende Jahr war nicht einfach, in vielfacher Hinsicht eine große Herausforderung. Wir alle spüren aber auch, dass das neue Jahr noch lange von der weltweiten Krise geprägt sein wird. – Da mag es gut sein, für das eigene Denken und Handeln eine Orientierungshilfe, eine Art Leitmotiv oder Maxime zu haben. Die biblische Losung für das Jahr 2021 bietet sich an.

Es ist ein Wort aus der Feldrede Jesu, durch und durch seiner Bergpredigt vergleichbar – ganz und gar jesuanisch. – Es ist ein Wort aus dem Lukas- evangelium, in dem Jesus ganz besonders die Armen im Blick, sein Herz bei den Armen hat und für Barmherzigkeit einsteht.- „So spricht der Herr: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ –

Vom barmherzigen Vater erzählt Jesus in und mit seinem ganzen Leben.

Gott ist barmherzig wie ein Vater, der sich um den „verlorenen Sohn“ sorgt, ihm in allem Schweren verbunden bleibt, ihn auch nicht beleidigt abstößt, als der ganz klein zurückkehrt. Er begegnet aber auch dem „anständigen“, fleißigen, älteren Sohn gegenüber barmherzig, auch wenn dieser noch so klug und bockig weiß, was der Vater alles besser machen müsste.

Gott ist barmherzig wie ein Hirte, dessen Herz nicht nur bei den 99 Schafen ist, die sich geborgen und zufrieden um ihn scharen, sondern eben auch bei diesem einen verloren gegangenen Schaf, das irgendwo in der Weltgeschichte umherirrt.

Gott ist barmherzig! So feiern wir ihn an Weihnachten. Den Gott, dem es nicht reicht, in sich zu ruhen. Ein Gott, der ein Menschenkind wird, verletzlich, gefährdet, arm. So sehr hat er sein Herz gerade bei den „armen“ Menschen.

„Seid mit euren Herzen bei den Armen, wie auch euer Vater b-arm-herzig ist!“ – Auch wenn es jetzt – wie in jeder Krise – große Gewinner gibt, so habe ich doch mehr als sonst in diesen Tagen den Eindruck, dass wir eine große „Weltgemeinschaft der Armen“ sind – und sei es „nur“ die uns alle verbindende tiefe und ernste Sorge um das eigene gesundheitliche Wohlergehen und das unserer geliebten Angehörigen und Freunde. – „Arm“ sind aber bestimmt auch all´ diejenigen, die durch die Krise in ihrer Existenz betroffen sind – und auch all´ jene, die über das Materielle hinaus nicht wissen, wie sie mit ihrer Situation umgehen können, weil sie sich ganz und gar einsam und verlassen fühlen. – Schließlich spüren wir alle durch das Corona-Virus, wie verletzlich und instabil die mehr und mehr von Menschen geschaffene Welt des Immer-Mehr, Immer-Größer und Immer-Weiter ist – wie „arm“ das letztlich ist. –

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ – Am Beginn des neuen Jahres höre ich da einen dreifachen Impuls:

Es tut gut, immer wieder neu im Denken, Sehnen, Fühlen, Hoffen und Beten einzutauchen in die göttliche Haltung der Barmherzigkeit, in Sein Suchen und Fragen nach uns, in Seine Liebe zu uns und allen Menschen!

Es tut gut, mit sich selbst barmherzig zu sein, im Namen des barmherzigen Gottes, zu den eigenen Schwächen zu stehen. Dann können die Stärken, die jede und jeder unter uns hat, umso größer und stärker herauskommen, mehr Platz und Raum in unserem Denken und Handeln finden.

Und schließlich aus beidem folgend der dritte Gedanke: Es tut uns selbst und allen Menschen gut, diese Grundhaltung der Barmherzigkeit als Perspektive gelingenden Miteinanders wahr- und auch ernst zu nehmen. - Die Augen eben nicht zu verschließen, wenn jemand zu wenig hat, um zu leben. - Das Wort mutig zu erheben, wenn jemand menschenverachtende Sprüche klopft. - Der Phantasie freien Lauf lassen, wie man einzelnen Menschen auch jetzt vermitteln kann: Du bist mir wichtig. Ich denke an Dich. Ich hab´ Dich lieb.  

Liebe Leserinnen und Leser, ich bin dankbar für diesen dreifachen Impuls der Barmherzigkeit und will ihn für mich gerne aufnehmen und zur Maxime des neuen Jahres machen. Ich glaube, darin verbirgt sich eine verheißungsvolle Perspektive, wie wir die Herausforderungen und auch die Freuden des neuen Jahres gemeinsam im Vertrauen auf Gott, ich und die anderen, meistern können – über alle Abstandsgebote, Ängste und Sorgen hinweg!

Möge 2021 so ein Gnadenjahr des Herrn werden – in seiner Barmherzigkeit!

Mit besten Wünschen und freundlichen Grüßen

Hans-Martin Lechner
Dekan

 

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